27.04.2017

Vortrag bei GaM 3.5.2017: Jakob Lehne – „An instrument of civilisation“ – Der Krimkrieg als erster Krieg im Namen der Zivilisation

Semesterprogramm von Geschichte am Mittwoch

Vortragender: Jakob Lehne (Wien)

Ort: Hs. 45, Zeit: Mittwoch, 3.5.2017, 18:30 h s.t.

Titel: „An instrument of civilisation“ – Der Krimkrieg als erster Krieg im Namen der Zivilisation

Moderation: Miloš Vec

Abstract:
Der Krimkrieg (1853–1856) gilt seit langem als erster moderner Krieg, der technologisch wie geopolitisch eine neue Ära einleitete. Zum ersten Mal berichteten Kriegsfotografen und Reporter einem sensationshungrigen Publikum, beinahe in Echtzeit, von neuen gepanzerten Kriegsschiffen und von Grabenkämpfen, die sich auf hunderten von Kilometern erstreckten. Mit dem Ende der Heiligen Allianz, das durch den Kriegsausbruch besiegelt wurde, kam es zu ebenso großen politischen Veränderungen, die auch einen Paradigmenwechsel in der Kriegsrechtfertigung nach sich zogen. Seite an Seite kämpften osmanische, französische und britische Truppen für die „Zivilisation“, einem Wort, das sich nicht nur zum ersten Mal in offiziellen Erklärungen fand, sondern auch in europäischen Parlamenten und in der Öffentlichkeit heftig debattiert wurde. Während konservative Beobachter dem neuen Krieg im Namen der „Zivilisation“ skeptisch gegenüberstanden, sahen liberalere Kreise die Auseinandersetzungen auf der Krim und die sie begleitende Rhetorik als positives Ergebnis inner-europäischer Freiheitsbestrebungen. Dieser Vortrag versucht, den Aufstieg der „Zivilisation“ zu einem Schlüsselwort der Geopolitik nachzuzeichnen, Reaktionen und Debatten in Preußen, im Vereinigten Königreich und Frankreich zu untersuchen und resümierend die dauerhaften Veränderungen, welche die neue Rhetorik der „Zivilisation“, sowohl im Bereich der internationalen Beziehungen wie des internationalen Rechts hervorbrachte, zu analysieren.

Zum Vortragenden:
Jakob Lehne wurde nach Studien am King’s College London, der London School of Economics und der Humboldt Universität Berlin am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz mit einer Arbeit zur Geschichte des Begriffs der Zivilisation, und forscht im Bereich der Ideengeschichte der internationalen Beziehungen promoviert.